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Marc Hoeppner

Omnia mea mecum porto
9/11

Vor fünf Jahren standen Eike, Thomas Paschkewitz und ich auf einer Messe in Leipzig (KfW, es ging um Firmenfinanzierung). Der Tag verlief ein wenig ereignislos. Ich hatte eine Präsentation (die es sogar irgendwo noch auf Video gibt) zum Thema CyberSmart, die recht gut besucht war. Danach gab es am Stand mehr oder minder interessante Gespräche mit VCs und Vermittlern in einer von Rezessionsängsten geprägten Stimmung. Plötzlich gab es Unruhe auf der Messe und viele Menschen versammelten sich vor den Großbildschirmen eines Ausstellers (dessen Namen ich vergessen habe). Es hiess, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Zuerst dachte ich spontan an eine kleine Cessna, da ein solches Ereignis schonmal stattgefunden hatte. Dann wurde klar, dass es viel schlimmer war. Nach dem ersten Schock setzte Angst und Besorgnis ein und zwar zunächst um das Wohlergehen von Freunden und Bekannten in den USA. Einige von Ihnen Vielflieger. Die Bilder wurden immer absurder, unverständlicher. Zeitweise war von 10 oder mehr Flugzeugen die Rede, die sich noch in der Gewalt von Entführern befinden sollten. Die Web Sites von Spiegel Online und CNN (genau wie andere) brachen zusammen und Nachrichten kamen nur über den Fernseher rein. Dann der zweite Einschlag. Die in Verzweiflung aus >300m springenden Menschen. Das Entsetzen beim Einsturz der beiden Gebäude.

Ich sollte an dem Tag noch nach Stuttgart fliegen und Eike bat mich, den Termin zu verschieben und doch lieber mit dem Auto zusammen zurückzufahren. Ich versuchte, die Chancen abzuwägen und entschied mich, den Termin wahrzunehmen. In der Lobby des Flughafens setzte sich das mediale Grauen fort. Alle diskuttierten, was oder wer wohl dahinterstecke, ob man fliegen sollte oder nicht, ob jetzt der Dritte Weltkrieg drohe. Im Flugzeug eine seltsame Stimmung. In den Blicken vieler Geschäftsreisenden sah man die gleiche Unsicherheit, die einen auch selbst ergriffen hatte. Gepaart mit dem "professionellen" Es-muss-ja-weitergehen. Am Abend verfasste ich noch eine Email an meine US-Kontakte, die Eike netterweise dann abschickte (mal wieder kein Internet-Zugang in dem Hotel...). In den Tagen danach wurde klar, dass zum Glück keiner meiner Bekannten und Freunden direkt oder indirekt persönlich betroffen waren. Und es wurde auch klar, dass dieses Ereignis das ohnehin schon schlechte kommerzielle Klima deutlich negativ beeinflussen würde. Und das war dann auch so, u.a. halbierte sich Umsatz und Personalstand der NeoGeo...).

Meine Gedanken sind bei allen Opfern und ihren Familien, nicht nur den Tausenden an Bord der Flugzeuge und der Twin Towers bzw. des Pentagon. Sondern auch bei den hunderttaussenden in Afganistan und dem Irak, die in der Folgezeit durch den Krieg ihr Leben lassen mussten.

Posted: Montag, 11. September 2006 09:25 by marc.hoeppner
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